• Timo Eifert

Der Gedanke ist das Problem - immer.


Der Körper braucht zum Überleben den natürlichen Rhythmus von Einatmung und Ausatmung, von Inspiration und Exspiration. Wer nicht einatmet, stirbt, wer nicht ausatmet, stirbt auch. Und ich glaube, für den Geist trifft das Gleiche zu. Er braucht das Denken und das Nicht-Denken. Das Denken ist die Exspiration. Das Nicht-Denken ist die Inspiration. Das Denken bringt das Innere nach außen. Aber woher kommt das Denken? Das Denken kommt aus dem Nicht-Denken, aus der Stille, aus der Lücke zwischen dem Denken.


Körperlich braucht die Ausatmung (Exspiration) die Einatmung (Inspiration). Geistig braucht das Denken (Exspiration) das Nicht-Denken (Inspiration).

In meinem Buch habe ich bisher schon viel über Gedanken geschrieben. So viel dreht sich um unsere Gedanken und den Wirrwarr, das sie verursachen. Sie kommen und gehen, sind manchmal fröhlich, manchmal traurig und werden nach meinem Empfinden viel zu ernst genommen.Ich kann mich da nur wiederholen: Die meisten Probleme der Menschen entstehen dadurch, dass sie das glauben, was sie denken.


Dabei sind das Spannende im Leben gar nicht unsere Gedanken selbst, sondern die Quelle unserer Gedanken.


Ich glaube, dass es für Gedanken zwei unterschiedliche Quellen gibt. Einmal unsere bisherigen Gedanken und Erinnerungen und einmal die stille Lücke zwischen den Gedanken. Alles Neue, alles Frische stammt aus dieser Lücke. Alles Alte, Bestehende kommt aus unseren Erinnerungen. Ein

wirklich neuer Gedanke kann nicht aus einem alten Gedanken entstehen. Neue Gedanken entstehen in der Lücke. Sie entstehen in der Stille. Hier ist der wahre Geburtsort des Neuen, der Entwicklung und der Zukunft.


Weißt du, wann ich die besten Texte schreibe? Nicht dann, wenn ich es will, sondern wenn der Moment es will. In diesem Buch gibt es Passagen, die sind aus einer guten Recherche entstanden, aber es sind Arbeitspassagen. Nicht schlecht, aber auch nicht gut. Sie sind nicht inspiriert. Sie sind die logische Fortsetzung von bisherigen Geschichten und Gedanken. Sie entstammen nicht der Inspiration, sondern der Exspiration.

Das ist genauso, als wenn du in eine Tüte vor deinem Mund ein- und ausatmest. Das geht eine Zeit lang ganz gut, weil in der Ausatemluft noch reichlich Sauerstoff vorhanden ist. Aber noch einer gewissen Zeit ist auch diese Quelle der Inspiration erschöpft. Dann brauchst du eine neue, richtige Inspiration.

Beim Geist scheint das nicht anders zu sein. Gedanken können deine alten Erinnerungen als Quelle benutzen. Aber auch hier erschöpft sich der Geist irgendwann und verfängt sich im eigenen Denken. Die wahre Quelle für frischen Sauerstoff ist die tiefe Inspiration.


Die wahre Quelle für frische Gedanken ist die stille Inspiration.


Die stille Lücke zwischen den Gedanken spielt, da sie nicht fassbar ist, in der modernen Psychologie keine Rolle, da diese völlig auf die Gedankeninhalte oder Gefühle ausgerichtet ist oder auf den Mechanismus des Gehirns. Ist man jedoch daran interessiert, was jenseits der Gedanken liegt, stellt sich die Lücke als wichtigstes Element heraus.

Es ist möglich, ein ganzes Leben damit zuzubringen, das Inventar des Geistes zu sichten, ohne jemals in seine Quelle einzutauchen. Und das hat damit zu tun, dass bewusste Gedanken nur sehr wenige Informationen enthalten.

Eine wichtige neurobiologische Erkenntnis besteht darin, dass in jeder Sekunde Millionen Bits an Informationen von unseren Sinnen aufgenommen werden. Aber unser Bewusstsein verarbeitet nur etwa 15 Bits pro Sekunde – maximal. Mehrere Millionen Bits werden zu einer bewussten Erfahrung und zu bewussten Gedanken verdichtet, die praktisch keinerlei Informationen mehr enthalten. Somit hat unser bewusster Geist keine Ahnung, was eigentlich geschieht.Ist das nicht ein Hinweis dafür, dass das Denken nicht dazu gedacht ist, Probleme zu lösen? Wissenschaftler von Einstein bis Planck, von Bohr bis Hawkins haben ihre wichtigsten Erkenntnisse nicht durch das Denken erlangt, sondern durch die Inspiration.


Menschen kommen zu mir in meine Coachings, weil sie ein Problem lösen wollen. Und ich helfe ihnen dabei, in einem ersten Schritt zu ergründen, wo das Problem überhaupt liegt. Und jetzt verrate ich dir ein Geheimnis: es ist immer ein Gedanke.

Natürlich ist man immer wieder dazu verleitet, einen schlechten Gedan- ken durch einen guten Gedanken zu ersetzen, aber meistens ersetzt man da- durch ein altes Problem durch ein neues Problem.


Der Gedanke ist das Problem – immer.


Unser Intellekt kann die Probleme nicht alleine lösen, weil er die Gedanken lediglich organisiert. Unser Verstand ist einfach nur eine große Bibliothek aus bisherigen Gedanken und Erinnerungen, aber in einer Bibliothek findest du nichts Neues und auch keine Lösungen für neue Probleme.

Wir haben zwei Möglichkeiten, unser Leben zu leben: aus der Bibliothek unserer alten Gedanken oder aus der Inspiration. Die Lösung von Problemen beginnt, sobald wir erkennen, dass wir mehr als ein Gedanke sind. Gedanken und das Denken brauchen wir zum Überleben. Für ein inspiriertes Leben brauchen wir die Inspiration der Stille.


Wir sind mehr als ein Gedanke. Wir sind die Stille, aus der alles hervorgeht. Wir sind ein Teil des großen Ganzen. Wir sind ein Teil von Gott.

Songtext: Mehr als ein Gedanke

Wenn Rosen blühen

und ihren Duft versprühen,

ist der Geruch in meinem Kopf.

Nie käme mir in den Sinn,

dass ich eine Rose bin.

Wenn Vögel ihre

Lieder fröhlich singen,

ist der Klang in meinem Kopf.

Nie käme mir in den Sinn,

dass ich ein Vöglein bin.

Doch beim Denken in meinem Kopf

kommt mir in den Sinn,

dass ich der Gedanke bin.

Ich bin mehr als ein Gedanke,

auch wenn ich oft mit ihnen zanke.

Ich wähle, was ich denke,

wie ich meinen Kopf beschenke.

Ich bin mehr als ein Gedanke,

auch wenn ich oft mit ihnen zanke.

Sie kommen und gehen,

aber ich bleib’ bestehen.

Wenn die Sonne

am Abend tiefer steht,

ist das Bild in meinem Kopf.

Nie käme mir in den Sinn,

dass ich die Sonne bin.

Wenn mich die Süße

einer Traube glücklich macht,

ist der Geschmack in meinem Kopf.

Nie käme mir in den Sinn,

dass ich die Traube bin.

Doch beim Denken in meinem Kopf

kommt mir in den Sinn,

dass ich der Gedanke bin?




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