• Timo Eifert

Heile den Krieg in dir

Aktualisiert: Juni 15



Wo kämen wir denn hin, wenn sich jeder nur um seine Welt kümmerte? Wir leben in einer Zeit des Egoismus, keine Frage. Doch die Ursache des Egoismus liegt nicht darin, dass wir uns zu viel um uns selbst kümmern, sondern zu wenig.

Nehmen wir ein ganz praktisches Beispiel aus dem Leben eines Vaters von drei Kindern. Was bringe ich meinen Kindern bei, wenn ich mir nicht regelmäßig meine Auszeit nehme, mein eigenes Leben lebe und mich um meine persönlichen Bedürfnisse kümmere? Dann bringe ich meinen Kindern bei, dass das eigene Leben keinen Wert hat. Und was rauskommt, wenn junge Menschen sich nicht als wertvoll empfinden, sehen wir täglich in den Wirtschaftsberichten: purer Egoismus. Denn wenn Menschen nicht ihren eigenen Wert erkennen und von ihren Eltern lernen, dass sie wertvoll sind, müssen sie ihren Wert anderweitig erhöhen, z.B. durch Dinge, Erfolge, Titel und Macht. Sie müssen dann um die Anerkennung anderer kämpfen, und für den Erfolg gegen andere kämpfen. Egoismus ist der Ausdruck eines mangelnden Selbstwertgefühls.

Ich glaube, dass eines der schönsten Geschenke, das wir anderen und vor allem unseren Kindern machen können, das Gefühl ist, wertvoll zu sein. Und die einzige Möglichkeit, anderen dieses Gefühl auf ehrliche Weise zu schenken, ist, dass man sich selbst wertvoll fühlt.

Unsere eigene Welt ist untrennbar mit der Welt der anderen verbunden. Wir und unser Leben haben immer einen Einfluss auf andere, ob wir das wollen oder nicht. Wir kennen alle die Phänomene, dass es Menschen gibt, die einen großen Einfluss auf unser Leben haben. Nicht nur physisch, wenn sie z.B. wirklich handgreiflich in unser Leben treten, sondern auch psychisch. Es gibt Menschen, die schenken uns Energie und es gibt Menschen, die rauben uns Energie. So fühlt es sich zumindest an. Also besteht ganz klar ein Einfluss anderer Menschen auf unser Leben und umgekehrt.

Dann gibt es Verbindungen, die schon nicht mehr ganz so offensichtlich sind. Beispielsweise ruft gerade derjenige an, an den du gedacht hast. Was machst du mit so einer Situation? Ich kenne Menschen, die felsenfest behaupten, dass ihnen so etwas schon mehrfach passiert ist, aber gleichzeitig jegliche übersinnliche Erfahrung ablehnen. Das ist paradox. Denn das ist eine übersinnliche Erfahrung. Eine Erfahrung, die über unsere üblichen Sinne (Hören, Schmecken, Tasten, Riechen, Sehen) hinausgeht.

Es fehlt uns also nicht an der Erfahrung an übersinnlichen Verbindungen, sondern nur die Erklärung dafür. In diesem Zusammenhang fand ich in einem Buch, das mir ein Freund empfahl, eine besondere Geschichte über die Verbindung von Menschen. Das Buch handelte von einem hawaiianisches Vergebungsritual, das den Namen Ho’oponopono trägt. Darin ging es um einen Psychologen namens Dr. Ihaleakala Hew Len, der dazu beitrug, dass eine ganze Krankenstation geisteskranker Krimineller geheilt wurde – ohne einen der Insassen jemals als Therapeut behandelt zu haben. Wie hatte er das gemacht? Hatte er neue Geschichten erzählt, die die Gefangenen übernommen haben, um eine neue Realität und Wahrheit zu erschaffen? Nein, er hat die alten Geschichten auf- gelöst. Und das Spannende daran ist, er hat das bei sich selbst getan. Er hat die Krankenakten der Gefangenen gelesen und sich immer wieder gefragt, welche Verantwortung er dafür hat. Welche Verantwortung hat er für die Morde, die jemand anderes begangen hat, für das Leid, das andere verursacht haben?

Auf den ersten Blick erscheint dieser Ansatz völlig verrückt, denn er hat ja nicht die Morde begangen. Auf der anderen Seite sind wir doch alle irgendwie an unserer Welt beteiligt, sowohl als Täter als auch als Opfer. Wir erzeugen doch gemeinschaftlich eine Welt, in der Kriege geführt und toleriert werden. Wir alle haben doch ein Feindbild, oder? Hast du keinen Nachbarn, der dich nervt? Kennst du keinen Politiker, den du am liebsten an den Pranger stellen würdest? Was ist mit der Verkäuferin, die im Supermarkt immer so langsam ist; oder dem Rentner, der gerade vor dir so langsam fährt? Was ist mit der Lehrerin deiner Kinder, oder deinen Arbeitskollegen? Was ist mit Trump, Putin oder Kim Jong-un? Solange wir Feindbilder haben, wird es auch Kriege geben. Krieg ist nichts anderes als der gewaltsame Widerstand gegen Menschen, die nicht das tun, was wir wollen. Und woraus entstehen Feindbilder? Rate mal – aus Geschichten. Alle Kriege dieser Welt entstehen doch nur aus zwei Gründen. Entweder geht es um Religion oder um Geld. Im ersten Fall geht es also um Macht, im zweiten Fall geht es um Gier.

Jedes Mal, wenn wir Recht haben wollen, weil wir davon überzeugt sind, dass unsere Geschichte besser ist, geht es auch um Macht. Jedes Mal, wenn wir uns auf Kosten anderer bereichern, handeln wir aus Gier. Das tun wir, wenn wir Billigfleisch kaufen, Kleidung, die in Asien gefertigt wurde, das dritte Handy kaufen mit Kupfer aus afrikanischen Minen, Wasserflaschen aus Plastik und so fort. Die Liste könnten wir ewig fortführen. Solange also die Gier in uns ist, wird es auch Kriege aus Gier geben. Solange das Streben nach Macht in uns ist, wird es auch Kriege aus Macht geben. Und damit bringen wir Gier und Macht in die Welt, jeder Einzelne von uns. So gesehen erscheint es mir also überhaupt nicht mehr verrückt, wenn Dr. Hew Len die Verantwortung für die Morde seiner Gefängnisinsassen bei sich sucht und in sich heilt.

Steckt darin nicht eine wundervolle Logik? Je weniger wir Gier und Macht in die Welt tragen, umso weniger wird es Kriege für Gier und Macht geben. Um die Welt zu heilen, brauchen wir damit auch nicht in die Welt hinaus. Es reicht vollkommen, wenn wir mit der Heilung in uns beginnen. Wenn wir eine Welt ohne Krieg wollen, dürfen wir den Krieg in uns heilen. Wenn wir eine Welt ohne Glaubenskriege wollen, dürfen wir jedem seinem Glauben lassen. Wenn wir eine Welt ohne Geldkriege wollen, dürfen wir uns von unserer Gier befreien.

Es ist so leicht, mit dem Zeigefinger auf die da oben zu zeigen, auf die Politiker, Unternehmer und Könige. Und es ist so schön und angenehm, wenn man am Stammtisch zu den Guten gehört und den anderen die Schuld gibt. Ich finde, dass wir es uns damit zu einfach machen. Es sind ja schließlich auch nicht die Trumps und Putins, die in den Krieg ziehen, sondern wir sind es. Wir haben mehr Macht, als wir denken nicht nur für unser eigenes Leben, sondern auch für das Leben in unserer menschlichen Gemeinschaft.

Meine Welt ... ... ist unsere Welt, weil wir alle miteinander verbunden sind. Das ist keine spirituelle Doktrin, sondern eine quantenphysische Erkenntnis. Und die Geschichte von Dr. Lew Hen zeigt, dass unsere eigene Heilung einen enormen Einfluss auf andere haben kann.

Mir gefällt diese Geschichte.

Aus diesem Grund trete ich zur Weltrettung an und heile zuerst die Gier, das Machtstreben und den Krieg in mir.

Song: Meine Welt

Ich mal’ mir einen Gedanken.

Und wenn er mir gefällt,

schick’ ich ihn raus in meine Welt.

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