• Timo Eifert

Was würde Jesus jetzt tun?

Weißt du, was Synchronizität ist? Ich will dir ein Beispiel geben. Heute ist der 6. Mai 2017 und ich sitze gerade auf der Rettungswache in Oberstdorf. Ich wollte gerade beginnen zu schreiben, holte mir noch einen Kaffee und warf einen letzten Blick auf mein Handy. Und ich sah eine Benachrichtigung von Google. Dort stand folgender Text: »Diesen Tag neu entdecken – 06. Mai 2015«. Ich drückte auf diese Benachrichtigung und sah ein Bild mit einer Schreibmaschine. Das war die Schreibmaschine von Em Brownlowe – einer Straßenkünstlerin aus Brooklyn/New York. Heute vor zwei Jahren habe ich sie dort in den Straßen von Brooklyn getroffen.





Purer Zufall oder Schicksal?


Eigentlich bin ich damals nach New York geflogen, um ein sehr teures Seminar an der Lee Strasberg Acting School zu besuchen. Ich wollte mit dem Seminar meine Fähigkeiten als Redner verbessern. Auf dieser Reise habe ich auch erstmals das Angebot von Airbnb ausprobiert. Das ist eine Internet- plattform, bei der man sich privat bei Menschen einmieten kann, die noch ein Zimmer oder eine Couch frei haben. Das fand ich damals spannend, weil ich nicht als Tourist nach New York kommen, sondern auch mit den Menschen, die dort leben, in Kontakt kommen wollte. Ich bezog also mein Quartier in Brooklyn, einem sehr künstlerisch geprägten Stadtteil von New York. Man sieht sehr viele junge Menschen in den Cafés und Live-Clubs, die auf irgendeine Art ihr Leben meistern. Ich hatte das Gefühl, dass das Leben der meisten nicht sehr geplant abläuft, also nicht sehr deutsch. Und ich war fasziniert von diesem lebendigen Geist in Brooklyn. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass es keine gute Idee mehr wäre, dieses Seminar zu besuchen, denn dort wurde mir bewusst, dass ich gar nicht lernen will, wie man eine Rolle spielt, sondern eher lernen will, wie man keine Rolle mehr spielt, sondern einfach ist, wie man ist. So verwarf ich also meinen Plan, das Seminar zu besuchen, obwohl ich dafür bereits eine Menge Geld bezahlt hatte. Ich wusste irgendwie, dass die freie Zeit, die ich nun in Brooklyn verbringen konnte, ohne das Seminar zu besuchen, noch wertvoller für mich wäre.


“Give me a word... I’ll give you a poem.”


So verbrachte ich also dort meine Tage in Brooklyn, ausgestattet mit meinem Notizbuch und einer Wasserflasche. Und irgendwann kam ich an Em Brownlowe vorbei. Sie saß mit ihrer Schreibmaschine am Straßenrand und an dem Tisch vor ihr hing ein Zettel. Darauf stand: »Give me a word... I’ll give you a poem«. Erst bin ich an ihr vorbeigelaufen, konnte aber irgendwie doch nicht weitergehen. Also habe ich mich wieder umgedreht und habe ihr beim Schreiben zugesehen, und das erste Wort, das mir dabei durch den Kopf schoss, war »Lebenskünstler«. Denn, das war sie für mich, und irgendwie habe ich mich auch so gefühlt. So gab ich ihr dieses Wort »life artist« und Em Brownlowe schrieb mir innerhalb von zwei Minuten die folgenden Zeilen:




I have decided

that it is the time now

to drop everything

that doesn’t make me happy

not another day shall go by

where I am blind to being a life artist

taking in each view like a photo- graph

hearing each sound from the street

as if it is a symphony

taking each sound from the street

and speaking words of love

to people like poetry


Life is too short not to be here now.


by embrownlowe

brooklyn, ny

may 6th, 2015


Künstler sind Menschen, die durch den Vorhang der Normalität blicken und das Vorborgene sicht- und hörbar machen.


Ich möchte das Gedicht nicht übersetzen, denn jede Übersetzung würde es kleiner und kraftloser machen. Für mich ist es eine Liebeserklärung an das Leben. Und wenn ich das Gedicht gerade selbst wieder nach langer Zeit lese, wird mir bewusst, was Kunst macht. Kunst öffnet immer unseren Blick. Kunst geht über das Banale und Alltägliche hinaus und verweist auf etwas Größeres; auf eine Kraft und Intelligenz, die in unserer Welt steckt, sobald wir beginnen, sie auch zu sehen. Und das ist eine Entscheidung. Künstler sind Menschen, die durch den Vorhang der Normalität blicken und das Verborgene sicht- und hörbar machen. Und diesen Tag vor genau zwei Jahren darf ich heute entdecken, an dem Tag, als ich mich gerade an meinen Laptop setzen wollte, um einen Text zu meinem Lied »Liebeserklärung« zu schreiben.


Synchronizität ist der lebendige Beweis für eine positive Kraft, die es gut mit uns meint. Synchronizität ist Gott in Aktion.


Es gibt ein weiteres, sehr mächtiges und erhabenes Gefühl, das aus dem Vertrauen an eine größere, führende Kraft erwächst: Liebe. Und Synchronizität ist doch nichts anderes als ein Liebesbeweis. Synchronizität ist der lebendige Beweis für eine Kraft, die es gut mit uns meint, die für uns sorgt. Es gibt für solche Erlebnisse, wie ich es gerade beschrieben habe, ja nur zwei Möglichkeiten der Interpretation: Zufall oder Schicksal. Oder anders ausgedrückt: wir können an eine Geschichte des Zufalls glauben oder an eine Geschichte des Schicksals. Beide Wege stehen uns offen. Die Geschichte des Zufalls hinterlässt bei mir jedoch ein Gefühl der Gleichgültigkeit und der Beliebigkeit, währenddessen die Geschichte des Schicksals ein Gefühl der Magie in mir erzeugt. Irgendetwas geht da draußen vor, das spannend und geheimnisvoll ist. Meine Entscheidung steht fest. Ich nehme die Geschichte des Schicksals und lass’ mich weiterhin von der Synchronizität überraschen.


Mitgefühl ist ein Geschenk von Gott.


Und noch ein Gefühl entsteht durch die Geschichte des Schicksals in mir: das Mitgefühl. Früher war ich einer meiner schärfsten Kritiker. Ich konnte es mir nicht recht machen. Ich hatte kein Mitgefühl mit mir. Ich habe mich gedanklich verurteilt für alles, was ich tun wollte, aber nicht getan habe, oder für Dinge, die ich getan haben, aber nicht tun sollte. Irgendwie habe ich immer einen Grund gefunden, unzufrieden mit mir zu sein.


Eine Fahrt in das Licht.

Auch hier kam der Wendepunkt durch ein tief greifendes Erlebnis im Eis des hohen Nordens, in der Arktis. Im Sommer 2016 war ich wieder als Coach und Redner auf der MS Europa von Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten unterwegs. Diese Reise führte mich in den hohen Norden über den Polarkreis, sogar über Spitzbergen hinaus bis an die Eisgrenze. Eine Reise, in der es irgendwann keine Internet- und Mobilverbindung mehr gab und auch keinen Tages- und Nachtrhythmus. Im Nachhinein war es wohl eine Fahrt in das Licht. Ich habe mich in diesen Tagen im hohen Norden auch weitestgehend aus dem Bordleben zurückgezogen und habe nur die Veranstaltungen besucht, für die ich verantwortlich war. Ansonsten saß ich in meinem Strandkorb auf Deck 8. Das ist im Übrigen auch der Strandkorb, in dem meine Musik ein Jahr vorher entstand. Ich überlegte mir, wie es wohl in Zukunft mit mir weitergehen sollte, worauf ich mich in Zukunft konzentrieren wollte. Auf der einen Seite hatte ich große Lust darauf, meine Musik weiter voranzubringen und ich überlegte mir Pläne, wie das funktionieren könnte. Auf der anderen Seite wollte ich meine Coachingpraxis bekannter machen, und überlegte mir auch dafür Pläne. Aber all diesen Plänen wohnte eine Schwere inne. Denn im Grunde genommen wollte ich doch einfach nur Menschen helfen und Musik machen. Aber wie sollte das gehen, wenn man nicht einen Plan umsetzt, dachte ich mir. Wenn du etwas haben willst, musst du auch etwas dafür tun, das waren die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen.


Es geht nur um eines, egal wo du bist, oder was du tust, dass du gut mit dir umgehst.


Und dann kam die Stille des Nordens, das ewige Licht und vor allem das Eis. Diese unendliche Weite, das kraftvolle Knacken, als wir mit dem Bug direkt im Eis standen. Eine bizarre, weiße Welt, aber unheimlich kraftvoll und inspirierend und dann die Stimme in meinem Kopf: »Timo, warum machst du dir denn immer so viele Gedanken. Es geht nur um eines, egal wo du bist, oder was du tust, dass du gut mit dir umgehst.« Das war es. Das ist alles. Dieser simple Satz ist das Resultat eines Perspektivwechsels, der mich damals mit meiner Selbstliebe verbunden hat. Ich könnte auch bei McDonald's, ich könnte in einer Bar oder auf dem Bau arbeiten, ich könnte alles tun, ohne mich ständig selbst unter Druck zu setzen. Solange ich ein liebevolles Gefühl für mich habe, ist alles gut.


Das ist das Einzige, worum es geht. Es geht um ein liebevolles Gefühl.


Das ist Mitgefühl. Und es beginnt in uns. Und sobald wir mit uns gut und liebevoll umgehen können, können wir es auch mit anderen. Und umgekehrt gilt das auch. Sobald wir Mitgefühl mit anderen haben, haben wir es auch mit uns. Beide Wege sind möglich.

Seitdem begleiten mich zwei Fragen, die mir im Alltag unendlich helfen:


Was würde die Liebe jetzt tun? Was würde Jesus jetzt tun?


P.s. Nur damit wir uns verstehen. Diese Fragen zu stellen, heißt nicht, dass ich immer aus Liebe handele und schon gar nicht wie Jesus. Meine Erfolgsquote liegt wahrscheinlich erst bei 25%. Aber, ich bin auf dem Weg, auf dem Weg der Liebe.

Song: Liebeserklärung


Sie ist größer, als ich dachte,

und der Grund warum ich lachte,

als die Angst mich fragte,

was ich von ihr erwarte.

Ich antwortete ihr,

hier ist nicht dein Revier,

denn wo immer ich auch bin,

macht nur die Liebe Sinn.

Ich bau mein Leben auf ihr,

sie ist die Quelle in mir,

die Ruhe, die mich hält,

und meine Weichen sicher stellt.

Ich bau mein Leben auf ihr,

spür’ die Einheit in mir,

lässt sie mit Leichtigkeit entstehen,

und ich muss mich nicht mehr drehen.

Die Angst hält uns klein,

erzählt uns, wir sind allein.

Wir dürfen sie überwinden,

um uns neu zu erfinden.

Sie ist eine Illusion,

die man sehr leicht vergisst,

weil alles, was wir kennen,

einfach Liebe ist.

Bis ans Ende meiner Tage dreht sich alles um eine Frage:

Was würde die Liebe jetzt tun?



recht machen. Ich hatte kein Mitgefühl mit mir. Ich habe mich gedanklich verurteilt für alles, was ich tun wollte, aber nicht getan habe, oder für Dinge, die ich getan haben, aber nicht tun sollte. Irgendwie habe ich immer einen Grund gefunden, unzufrieden mit mir zu sein.

Auch hier kam der Wendepunkt durch ein tief greifendes Erlebnis im Eis des hohen Nordens, in der Arktis. Im Sommer 2016 war ich wieder als organi- satorischer Leiter und Redner auf der MS Europa von Hapag-Lloyd-Kreuz- fahrten unterwegs. Diese Reise führte mich in den hohen Norden über den Polarkreis, sogar über Spitzbergen hinaus bis an die Eisgrenze. Eine Reise, in der es irgendwann keine Internet- und Mobilverbindung mehr gab und auch keinen Tages- und Nachtrhythmus. Im Nachhinein war es wohl eine Fahrt in das Licht. Ich habe mich in diesen Tagen im hohen Norden auch weitest- gehend aus dem Bordleben zurückgezogen und habe nur die Veranstaltungen besucht, für die ich verantwortlich war. Ansonsten saß ich in meinem Strand- korb auf Deck 7. Das ist im Übrigen auch der Strandkorb, in dem meine Musik ein Jahr vorher entstand.


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