• Timo Eifert

Wer braucht schon Glück, wenn er mit Gott ist?



Wann ist Leben lebenswert? Die Frage scheint auf den ersten Blick gar nicht so einfach beantwortbar zu sein. Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir keine Ahnung haben, wo wir sind und wer wir sind. Uns fehlt also schlichtweg das Wissen, um diese Frage zu beantworten. Müssen wir jedoch unbedingt etwas wissen, um diese Fragen zu beantworten, oder reicht uns dazu nicht einfach unsere Erfahrung? Was waren denn die bisherigen Momente in deinem Leben, von denen du sagen würdest, dass es sich dafür gelohnt hat zu leben? Die Momente, als du dich so richtig glücklich gefühlt hast?


Was macht dich glücklich?


Stöbere doch einfach einmal in den Erfahrungen und Erinnerungen deiner Vergangenheit. Waren daran eher Dinge beteiligt oder eher Menschen? Waren es Erlebnisse in der Natur oder in einem Wolkenkratzer? Ging es dabei um Verbindung oder um Trennung? Als ich gedanklich durch meine glücklichsten Momente spaziert bin, hat sich ein Begriff gezeigt, der sich wie ein roter Faden durch alle Glücksmomente zieht: Verbindung.

Verbindung macht mich glücklich.


In meinen stillen Momenten oder beim Komponieren bin ich in Verbindung mit mir. In den Bergen, beim Sprung in einen kühlen Bergsee oder ins Meer oder beim Anblick eines Sonnenuntergangs bin ich in Verbindung mit der Natur. Wenn ich anderen Menschen helfe und mich wirklich auf sie einlasse, bin ich ebenfalls in Verbindung – mit Menschen. Und beim Gebet bin ich in Verbindung mit Gott. Mein Glück entsteht also immer aus einer Beziehung mit mir, der Natur, mit anderen Menschen und mit Gott.. Dinge kommen dort nicht vor. Das ist mit Sicherheit eine persönliche Sache. Gleichzeitig kann ich mir gut vorstellen, dass viele Menschen ähnlich empfinden.


Vielleicht geht es deinem Leben nicht um dich.


Manchmal empfinde ich eine große Entlastung in dem Gedanken, dass es im Leben gar nicht um uns selbst geht, sondern um das, was wir anderen Menschen schenken und geben. Dann spielt plötzlich das ganze Gerenne überhaupt keine Rolle mehr, denn um einem Menschen etwas Gutes zu tun, braucht es nicht viel, außer einen anderen Menschen. Und den findet man an jeder Ecke und vielleicht sogar im eigenen Haus. Ein guter Startpunkt.Das wäre wirklich eine großartige Sache und so leicht.


Wir können zu wahren Glückshelden werden.


Stell dir vor, dein Glück wäre nicht von deinen Erfolgen, von deinem Besitz oder von all den tollen Erlebnissen rund um den Globus, die du dir von deinem schwer verdienten Geld geleistet hast, abhängig, sondern von dem Glück, das du anderen Menschen schenkst. Stell dir vor, du hättest ein Glückskonto, und jedes Mal, wenn du einen anderen Menschen glücklich machst, wird Glück auch auf dein Konto eingezahlt. Dann wären die reichsten Menschen diejenigen, die am meisten Glück bringen. Das wäre absolut fair und eine geniale Win-win-Situation.

Demgegenüber kenne ich Unternehmer, die über Jahre ihre Mitarbeiter ausgebeutet und geknechtet haben, um an ein großes Vermögen zu kommen. Mit diesem Vermögen versuchen sie nun, glücklich zu werden, schaffen es aber nicht, weil sie nicht in der Lage sind, Glück zu empfinden. Wie auch, sie haben es ja nie gelernt, wenn Glück durch das Helfen entsteht und durch eine echte Verbindung mit anderen Menschen. So bringt diesen Menschen auch all das Geld leider kein Glück, denn das was ihnen fehlt, ist die Fähigkeit, Glück zu empfinden.


Du weißt doch wie Glück entsteht.

Das Interessante ist, dass wir doch schon mehr als einmal selbst die Erfahrung gemacht haben, wie Glück entsteht, und dass dieses Glück mehr mit persönlichem Wachstum und zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun hat als mit Konsum, Macht und Erfolg. Und trotzdem sind so viele Menschen ständig auf der Glückssuche. Das Paradoxe dabei ist, dass sie an vielen Möglichkeiten in ihrem Alltag, glücklich zu sein, vorbeilaufen. Auch diese Geschichten kennen wir doch zur Genüge, dass viele Menschen keine Zeit mehr haben, anderen zu helfen, weil sie zu sehr mit der Suche nach dem Glück beschäftigt sind. Sie rennen dem Erfolg hinterher, der Erfüllung und dem Reichtum, alles nur, um irgendwann glücklich zu sein. Das ist doch ein enormer Umweg. Es geht auch schneller. Einfach mal helfen, lächeln und die anderen Menschen sehen, wirklich sehen. Das ist es doch, was wir wirklich wollen. Wir wollen gesehen werden, als Mensch. Und den anderen geht es genauso.


Warum tun wir uns so schwer mit dem Glück?

Warum fällt es uns so schwer, diese Erkenntnis mit in den Alltag zu nehmen und daraus ein neues Modell von Leben zu erfinden? Ein Modell von Leben, das sich auf unseren direkten Erfahrungen von Glück stützt und nicht auf die spätindustriellen Geschichten von Erfolg, Sinn und Erfüllung als Glücksbringer. Auch beim Thema Glück hängen wir so sehr an unseren alten Geschichten unseres Falschen Selbst. Aber das Beste ist doch, dass wir für das Glück gar keine Geschichten brauchen. Glück entsteht nicht im Kopf, Glück kann man nur mit dem Herzen erfahren. Glück ist nicht die Folge einer Geschichte oder von Gedanken. Glück ist die Folge einer echten Verbindung mit uns selbst, mit der Natur, mit anderen Menschen und mit Gott.


Glück ist die Folge einer Beziehung zu Gott.


Manchmal denke ich, dass das Glück an sich überhaupt viel Unglück in sich trägt. Denn Unglück können wir ja nur empfinden, solange es eine genaue Geschichte davon gibt, was Glück ist. Und die meisten Geschichten über das Glück, die ich kenne, handeln von Dingen, die wir unbedingt brauchen oder von Regeln, die wir unbedingt einhalten müssen, um endlich glücklich zu sein. Aber woher kommen schon wieder diese Geschichten? Die Geschichten des Glücks sind die Geschichten von Verkäufern. Wer Dinge verkaufen will, muss den Käufern klar machen, dass sie diese Dinge unbedingt für ihr Glück brauchen. Wer Philosophien, Religionen und esoterische Weltansichten, inklusive Seminaren, Büchern und Coachings verkaufen will, muss den Käufern klarmachen, dass sie ihre Regeln unbedingt für ihr Glück brauchen. Und solange wir die Dinge und die Regeln, die das Glück versprechen, nicht haben oder nicht beherrschen, bleibt nur das Unglück.


Wer braucht schon Glück, wenn er mit Gott ist.


Für mich stellt sich dabei gerade die Frage, für was ich den Begriff Glück überhaupt brauche. Ich kann in die Natur gehen, einen Sonnenuntergang beobachten oder auf einen Berg steigen. Das alles fühlt sich für mich unheimlich gut an. Den Begriff Glück brauche ich dafür nicht. Ich kann anderen Menschen helfen, ihnen zuhören, für sie da sein, sie unterstützen oder eine gute und fröhliche Stimmung verbreiten. Auch das fühlt sich für mich unheimlich gut an. Den Begriff Glück brauche ich dafür ebenfalls nicht. Und ich kann mit Gott sein. In dieser Verbindung ist Glück kein Thema mehr. Hier darf ich sein, wer ich bin, muss nichts erreichen oder tun, um bedingungslos geliebt zu werden. Hier bin ich zu Hause.


Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ich den Begriff Glück gar nicht brauche. Ich tue einfach das, was sich gut anfühlt. Und natürlich können wir diese Gefühle dann Glück nennen, wirklich notwendig ist es jedoch nicht. Ich habe nichts gegen den Begriff des Glücks. Mir ist nur aufgefallen, dass die Geschichten des Glücks ein großes Potenzial an Unglück in sich tragen.


Songtext: Lebenswert

Mein Wert

den ich nach außen trage,

ist ein Gefühl, das ich in mir habe.

Mein Wert,

den ich in mir spüre,

ist eine Melodie,

mit der ich dich berühre.

Was ich nach außen trage,

ist alles, was ich habe.

Was ich gebe, kommt zurück,

im Geben liegt das Glück.

Was ich nach außen trage,

ist alles, was ich habe.

Wenn sich Glück vermehrt,

ist Leben lebenswert.

Mein Leben,

das ich nach außen trage,

ist ein Gefühl, das ich in mir habe.

Mein Leben,

das ich in mir spüre

sind Worte,

mit denen ich dich berühre.



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